Pacing am Berg: Was die Lombardei-Rundfahrt über Renneinteilung lehrt

Vollgas am ersten Anstieg oder stoisch im eigenen Rhythmus bleiben? Die Daten und Attacken aus der Lombardei zeigen, wie Pacing über Sieg und Einbruch entscheidet.

Sechs Stunden im Sattel, Tausende Höhenmeter und Anstiege, die im Finale gnadenlos zuschlagen: Die Lombardei-Rundfahrt verlangt Profis alles ab. Doch wer solche langen Kletter-Klassiker gewinnen oder einfach nur bewältigen will, braucht mehr als starke Beine. Am Ende entscheidet fast immer die Einteilung der Kräfte darüber, wer oben ankommt und wer komplett einbricht.

Die 120. Ausgabe des Rennens lieferte dafür ein ideales Lehrstück. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar war das Monument völlig offen. Am Ende triumphierte der erst 20-jährige Paul Seixas als Solist, nachdem er rund 18 bis 19 Kilometer vor dem Ziel am enorm steilen Civiglio angetreten war. Die Berichte von Radsport-News, Velo by Outside und Cyclingnews zeichnen ein klares Bild davon, wie unterschiedlich die Fahrer die Belastung an den Bergen angingen – und welche Folgen das hatte.

Die Extreme: Tempofalle, Rhythmusbruch und pure Zahlen

Wie brutal ein langer Renntag über fast sechs Stunden physiologisch ist, zeigen die Leistungswerte von George Bennett. Laut Cyclingnews war der Neuseeländer Teil einer 14-köpfigen Ausreißergruppe, die über den Tag hinweg massiv Druck machte. Bennett verzeichnete über fast sechs Stunden eine normalisierte Leistung von 5,2 Watt pro Kilogramm und eine Durchschnittsleistung von 280 Watt (knapp 5 Watt pro Kilogramm). Trotz dieses enormen Aufwands wurde die Gruppe im Finale dezimiert, und Bennett landete auf Rang 50. Wer zu früh alles gibt, riskiert, von der Härte des Rennens aufgerieben zu werden.

Im Finale zeigte Sieger Paul Seixas laut eigenen Aussagen gegenüber Velo by Outside und Cyclingnews, wie gezieltes Bergauf-Pacing aussieht. Weil ihm das Anfangstempo am Civiglio zu niedrig erschien, beschleunigte er früher als geplant. Entscheidend war jedoch seine Renneinteilung: In den flacheren Abschnitten verwaltete er seinen Einsatz genau, um in den steilen Rampen voll zu attackieren. Er beschrieb das Finale wie ein persönliches Einzelzeitfahren gegen sich selbst. Tom Pidcock bestätigte aus Fahrersicht diesen Effekt: Seixas habe gar nicht klassisch attackiert, sondern schlicht ein dauerhaft extrem hohes, eigenes Tempo angeschlagen.

Die Gegenseite erlebte Pidcock am eigenen Leib. Er versuchte zunächst, am Hinterrad von Seixas mitzugehen. Wie er gegenüber Cyclingnews erklärte, musste er vor dem Anstieg bereits investieren, um nach vorne zu kommen, überdrehte dann am Rad des Franzosen und überzog komplett. Er ging „in den roten Bereich“ und bezahlte sofort dafür: Pidcock fiel zurück, wurde von Fahrern wie Enric Mas und Giulio Ciccone überholt und rettete sich am Ende auf Rang sechs.

Schadensbegrenzung durch stoisches Fahren

Dass ein scheinbarer Einbruch nicht das Ende des Tages bedeuten muss, bewies Remco Evenepoel. Bereits am Anstieg Madonna del Ghisallo fühlten sich seine Beine schwer an. Als Seixas am Civiglio antrat, konnte Evenepoel nicht folgen. Radsport-News und Cyclingnews berichten übereinstimmend, dass er bergauf nicht gut aussah und von Konkurrenten am Hinterrad sogar attackiert wurde.

Statt jedoch zu resignieren oder hektisch über seine Verhältnisse nachzusetzen, fuhr Evenepoel stoisch seinen eigenen Rhythmus. Genau dieses Pacing hielt ihn im Rennen: Er schloss nach dem Civiglio wieder zur ersten Verfolgergruppe auf, behauptete sich an der San Fermo della Battaglia und sprintete am Ende noch auf den vierten Rang (mit 1:20 Minuten Rückstand auf Seixas).

Was Freizeitsportler daraus lernen können

Egal ob Profi-Monument oder langer Alpenmarathon: Die Dynamik langer Kletterpassagen bleibt dieselbe. Wer seine Berge falsch einteilt, verschenkt Minuten oder riskiert den vorzeitigen Abbruch.

Das nimmst du mit: Lass dich am Berg nicht von fremden Antritten verleiten, sondern fahre dein eigenes Tempo – wer überzieht, verliert am Ende mehr Zeit als derjenige, der stoisch im Rhythmus bleibt.

Quellen

Dieser Artikel wurde automatisch mit KI aus den genannten Quellen erstellt und nicht redaktionell geprüft.