Von harten Trad-Rissen bis zum Biwak in der Wand: Aktuelle Begehungen zeigen, warum rohe Kraft allein am Fels niemals ausreicht.
Wer Spitzenleistungen am Fels verfolgt, blickt oft zuerst auf blanke Schwierigkeitsgrade. Doch schaut man hinter die Zahlen, erzählen aktuelle Begehungen und alpine Unternehmungen eine ganz andere Geschichte. Ob bei extremen Trad-Begehungen, harten Boulder-Projekten oder alpinen Abenteuern: Am Ende entscheiden Bewegungsgefühl, Präzision, die richtige Taktik und ein realistisches Risikobewusstsein darüber, ob ein Projekt gelingt oder zum gefährlichen Kraftakt wird.
Ein wiederkehrendes Muster bei Spitzenkletterern ist die Erkenntnis, dass bloßes Anreißen ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiterhilft. Laut dem Magazin Lacrux sicherte sich Pietro Vidi die erste Wiederholung der von Connor Herson erstbegangenen Trad-Route „Drifter’s Escape“ (bewertet mit 9a+ bzw. 5.15a) am Stawamus Chief in Squamish. Vidi betonte nach seinem Durchstieg, dass man an den feinen Griffen und Rissen nicht einfach nur fest ziehen könne. Entscheidend seien exakte Fingerplatzierungen, das präzise Klemmen der Zehen und die Fähigkeit, den Körper locker „schweben zu lassen“. Erst das Finden einer alternativen Sequenz und einer Rastposition ohne Hände machte den Durchstieg nach 15 Sessions möglich.
Ähnliche Erfahrungen teilen Boulderer an den schwersten Linien der Welt. Bei „Burden of Dreams“ (V17) in Finnland, das Makoto Yamauchi laut Gripped nach monatelanger Pause und Versuchen an einem Replica klettern konnte, entscheiden millimetergenaue Daumen- und Fingerpositionen über Halt oder Abgleiten. Daniel Woods beschrieb seine Wiederholung von „Sword Of Damocles“ (V16) auf Mount Blue Sky in Colorado laut Gripped als Balanceakt: Man könne die Griffe nicht einfach greifen und losklettern, sondern müsse die feinen Nuancen der Reibung geduldig verstehen. Woods brauchte Kälte und Schneefall für den nötigen Grip – und rund 20 mühsame Aufstiege, um die Züge so zu verinnerlichen, dass sie sich schließlich kontrolliert anfühlten.
Dass schwere Routen nicht nur ein Privileg junger Kraftpakete sind, beweist Sonnie Trotter. Wie Gripped berichtet, kletterte der Kanadier im Alter von fast 47 Jahren mit „Midnight Way“ (5.15a) in Squamish eine der schwersten Sportkletterrouten seines Landes. Trotter brauchte über 60 Tage an der Wand, verteilt auf vier Saisons, und verbrachte beim Durchstieg über 40 Minuten im Fels. Er erklärte, dass er dafür nicht die meiste Maximalkraft seines Lebens gebraucht habe, sondern spezifische Ausdauer, Fitness und mentale Zähigkeit.
Zudem relativieren sich Grade oft, sobald Kletterer individuelle Lösungen finden. Beim berühmten Boulder „Sleepwalker“ in Nevada schlugen jüngst mehrere Wiederholer laut Gripped den Grad V15 statt der ursprünglichen V16 vor. Schon zuvor hatten Kletterer alternative Lösungen entdeckt, die Schlüsselstellen deutlich zugänglicher machten. Auch Nikolay Rusev stellte fest, dass sich Züge, die anfangs wie ein unüberwindbarer Kampf wirkten, über mehrere Einheiten hinweg methodisch lernen ließen.
Draußen lauern jedoch Faktoren, die reine Hallenkletterer oft unterschätzen: Zeitbedarf, Erschöpfung und objektive alpine Gefahren. Ein eindrückliches Beispiel schildert Shino Jomoto im US-Magazin Climbing. In der zehn Seillängen langen Route „Lost Arrow Chimney“ im Yosemite-Nationalpark wurde sie trotz einer moderaten Bewertung (5.10a) unfreiwillig von der Dunkelheit überrascht. Dehydrierung, mangelnde Fitness und Schlafmangel zwangen die Seilschaft zu einem ungeplanten Biwak tief im Kamin. Die Historie der Route zeigt den ernsten Charakter: Bereits bei der Erstbegehung 1947 benötigten die Alpinisten vier Biwaks, und nach einem tödlichen Abseilunfall 1961 verblieben sterbliche Überreste in der Schlucht, da eine Bergung für Rettungskräfte zu riskant gewesen wäre.
Noch deutlicher wird das Risikomanagement an den Bergen der Welt. Das Portal Rauf und Davon analysierte Bergunfälle und verweist auf 255 Alpintote allein in der Saison 2025 in Österreich. An Bergen wie dem Nanga Parbat liegt die Todesrate (Verhältnis von Besteigungen zu Todesfällen) laut Quelle bei rund 18 Prozent, bedingt durch extreme Kälte, Höhe und enorme Lawinengefahr. Selbst Ausnahmesportler bewegen sich auf einem schmalen Grat: In einem Gespräch für Climbing sprachen Alex Honnold (Free Solo am El Capitan) und Jim Morrison (Skibefahrung der Everest-Nordwand) über ihre Aktionen, bei denen der geringste Fehler tödlich gewesen wäre – und bezeichneten die Unternehmungen des jeweils anderen bezeichnenderweise als absolut wahnwitzig.
Auch wenn du dich nicht im fünfzehnten Schwierigkeitsgrad bewegst oder in Achttausender-Wänden hängst, lassen sich die Prinzipien der Spitzenkletterer direkt auf dein Training und deine Felstage übertragen:
Das nimmst du mit: Am Fels gewinnt nicht der Stärkste, sondern wer Griffe feinfühlig belastet, Geduld für die eigene Lösung aufbringt und alpine Zeitrisiken vorausschauend einplant.
Dieser Artikel wurde automatisch mit KI aus den genannten Quellen erstellt und nicht redaktionell geprüft.