Absprung, Flugphase, Landung und Bascule – was biomechanisch beim Sprung passiert, wo du als Reiter wirklich helfen kannst und wo du nur störst.
Was kannst du eigentlich noch beeinflussen, sobald dein Pferd abgesprungen ist? Die ehrliche Antwort: fast nichts mehr – und genau das solltest du wissen, bevor du es besser wissen willst. Ein Sprung läuft in drei Phasen ab: Absprung, Flugphase und Landung. In der Flugphase folgt der Schwerpunkt deines Pferdes einer festen Flugbahn, einer Parabel, die es selbst nicht mehr verändern kann [1] – vergleichbar mit einem geworfenen Ball. Was in dieser Phase an Zügeleinwirkung passiert, kann die Flugbahn nicht mehr korrigieren, nur stören.
Genau in dieser Phase zeigt sich, ob dein Pferd basculiert – den Begriff für die runde Wölbung von Rücken und Hals über dem Hindernis [2]. Nur ein Pferd, das mit Genickfreiheit (Kopf und Hals tief und vorwärts gestreckt) über den Sprung geht, kann seine muskulären Stoßdämpfer bei der Landung wirklich nutzen [2]. Ein Pferd, das den Kopf hochreißt, weil dein Zügel es zwingt, verliert genau diesen Schutz – und du erhöhst damit unbeabsichtigt die Belastung für Sehnen und Gelenke.
Die Landung selbst ist die intensivste Phase: Die Vorderbeine treffen zuerst auf, gefolgt von den Hinterbeinen [1] – die höchste Stoßbelastung des gesamten Sprungs. Studien zu erfahrenen Reitern zeigen, dass sich ihre Hüfte zwischen Absprung und Landung über einen Bewegungsbereich von rund 55 Grad öffnet [3] – ungefähr so viel, wie du bei einer tiefen Kniebeuge in der Hüfte einknickst. Diese Bewegung muss mitschwingen, nicht blockieren.
Dieses Wissen nimmt vielen Reitern die Unsicherheit über dem Sprung. Wer weiß, dass die Flugbahn längst feststeht, hört auf, in der Luft hektisch zu reagieren – und genau diese Ruhe überträgt sich aufs Pferd.
Train Smart. Play Hard. – der beste Reiter über dem Sprung ist der, der in der Luft am wenigsten tut.
Absprung (Hinterhand drückt kraftvoll ab), Flugphase (Schwerpunkt folgt einer festen Parabel [1]), Landung (Vorderbeine zuerst, höchste Belastung [1]). Wer diese Phasen im Kopf trennt, versteht sofort, wo Einwirkung überhaupt möglich ist.
Ein basculierendes Pferd wölbt Rücken und Hals rund über dem Sprung, statt flach und steif zu bleiben [2]. Genickfreiheit – Kopf und Hals tief und vorwärts – ist die Voraussetzung dafür.
Die vorderen Beine tragen beim Aufkommen kurzzeitig ein Vielfaches des Körpergewichts. Ein blockierter Reiterrücken in diesem Moment erhöht die Belastung zusätzlich – dein Job ist, mitzuschwingen, nicht zu bremsen.
Rund 55 Grad Bewegungsumfang in der Hüfte zwischen Absprung und Landung [3] sind kein Zufall, sondern trainierte Beweglichkeit. Mobility-Übungen für die Hüfte abseits vom Pferd zahlen sich direkt im Sattel aus.
Die Landung ist die Phase mit der höchsten Belastung für Pferd und Reiter – ein blockierter Reiterrücken erhöht sowohl das eigene Sturzrisiko als auch die Rückenbelastung des Pferdes. Reite Sprünge nie mit Zeitdruck oder Ablenkung, gerade in dieser kritischen Sekunde. Plan nach intensiven Sprungeinheiten bewusst ruhige Ausreittage ein – die Landung belastet Sehnen und Gelenke deines Pferdes kumulativ, auch wenn ein einzelner Sprung harmlos wirkt.
Lass dich beim Springen filmen und schau dir die Aufnahme in Zeitlupe an. In Echtzeit wirkt fast jeder Sprung symmetrisch und sauber – in Zeitlupe siehst du sofort, ob du in der Flugphase am Zügel gezogen oder den Rücken blockiert hast.
Kaum. Sobald dein Pferd abgesprungen hat, folgt sein Schwerpunkt einer festen Flugbahn, die weder du noch dein Pferd mehr beeinflussen könnt [1]. Deine Aufgabe ist mitzuschwingen, nicht zu steuern.
Bascule beschreibt die runde Wölbung von Rücken und Hals über dem Sprung [2]. Nur ein basculierendes Pferd nutzt seine muskulären Stoßdämpfer bei der Landung wirklich – das schont Sehnen und Gelenke.
Weil die Vorderbeine zuerst auftreffen und dabei die höchste Stoßbelastung des gesamten Sprungs abfangen [1]. Ein blockierter Reiter erhöht diese Belastung zusätzlich.
Am deutlichsten im Video von der Seite: Ein basculierendes Pferd rundet Rücken und Hals sichtbar über dem Sprung, statt flach und gerade zu bleiben. Dein Ausbilder kann dir diesen Unterschied auch live vom Boden aus zeigen.