Erste Hilfe für Surfer und Ocean Rescue

Professionelle, lebensrettende Maßnahmen im Line-up: Anwendung von blutstillender hemostatischer Gaze bei tiefen Riffschnitten, Reanimation im Wasser und Stabilisierung bei schweren Wirbelsäulenverletzungen.

Sportart: Surfen · Level: Profi

## Einleitung Wellenreiten findet oft an entlegenen Stränden oder Riffen statt, an denen keine professionellen Rettungsschwimmer präsent sind [1, 2]. In diesen Situationen stellen Surfer eine extrem wichtige Kategorie von Ersthelfern dar, um fatale Ertrinkungsunfälle oder den Tod durch Verbluten zu verhindern [1]. Die primäre Todesursache bei Surf-Unfällen ist das Ertrinken [1]. Hinzu kommen Hochrisiko-Verletzungen durch tiefe Riffschnitte, schwere Stürze (Wipeouts) in flachem Wasser oder Haiangriffe [3-5]. Ein professionelles Ausbildungscurriculum für Surf-Experten muss daher zwingend medizinische Grundlagen und fortgeschrittene Rettungsverfahren im Ozean (Ocean Rescue) integrieren [2]. Dieser Guide der DOMISPORTS Academy vermittelt dir die lebensrettenden Techniken für das Line-up, von der Reanimation im Wasser bis zur Stabilisierung von Wirbelsäulentraumata.

## Was du brauchst Standard-Erste-Hilfe-Sets sind für die spezifischen Anforderungen im Wasser und an Riffen oft unzureichend [5]. Ein professionelles Surfer-First-Aid-Kit sollte folgende Ausrüstung umfassen: Hemostatische Gaze: Ein zellulosebasiertes Material, das bei Kontakt mit Blut schnell zu einem festen Gel wird und die Blutgerinnung drastisch beschleunigt [6]. Spülset (Kochsalz/Saline): Zur gründlichen Entfernung von Korallenstaub und marinen Bakterien [5, 7]. Triple-Antibiotikum-Salbe: Verhindert das Bakterienwachstum und reduziert Entzündungen, ohne das Gewebe zu schädigen (wie es bei Alkohol oder Jod oft der Fall ist) [8]. Seeigel-Sonde & Präzisionspinzette: Zum sicheren Entfernen von Fremdkörpern und Stacheln [5, 9]. * Surfbrett & Leash: Dein Board dient als Rettungstrage und Auftriebskörper [10, 11], die Leash kann im Notfall als Tourniquet fungieren [12].

Schritt für Schritt

### 1. In-Water Resuscitation bei Ertrinkungsunfällen Wenn du im Line-up einen bewusstlosen Surfer findest, ist die sofortige Umkehrung des Sauerstoffmangels (Hypoxie) das primäre Ziel [13, 14]. Das Herz pumpt oft noch, aber der Sauerstoffspeicher ist leer [14]. Bringe das Opfer aus der Impact-Zone in einen ruhigen Bereich (Channel) und nutze ein großes Surfboard als Auftriebshilfe [13, 15]. ILFS-Richtlinien empfehlen, dass trainierte Retter bei einem bewusstlosen Opfer ohne Atemzeichen bereits im Wasser mit 5 bis 10 anfänglichen Beatmungen (Rescue Breaths) beginnen [14, 16]. Halte den Kopf des Opfers über Wasser, verschließe den Mund und beatme über die Nase für jeweils etwa eine Sekunde, bis sich der Brustkorb hebt [14]. Bringe das Opfer dann schnellstmöglich an den Strand. Überprüfe die Lebenszeichen für maximal 10 Sekunden und starte bei Atemstillstand sofort die Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) mit einem Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen (5-6 cm tief, 100-120 pro Minute) zu 2 Beatmungen [17, 18].

### 2. Bergung und Wirbelsäulen-Stabilisierung Ein schwerer Sturz über die Wellenlippe ("over the falls") auf ein flaches Riff kann zu schweren Verletzungen der Halswirbelsäule führen [3]. Wenn das Opfer bei Bewusstsein ist, über Nackenschmerzen klagt oder seine Beine nicht spürt, ist die größte Gefahr das Ertrinken gepaart mit einer Verschlimmerung der Rückenmarksschädigung durch falsche Bewegung [3]. Bewege die Wirbelsäule so wenig wie möglich (manuelle In-Line-Stabilisierung) [3]. Eine sehr effektive Technik für einen einzelnen Retter im flacheren Wasser besteht darin, die Arme des Opfers über dessen Kopf zu legen und sie mit einer Hand festzuhalten; so bilden die eigenen Arme des Opfers eine stabilisierende Schiene für den Hals [19]. Nutze deine freien Beine und deinen anderen Arm, um auf dem Rücken rückwärts zum Strand zu schwimmen [19]. Bewege dich immer mit dem Gesicht zum Meer, um dich gegen eintreffende Wellen abstützen zu können [19].

### 3. Wundversorgung und massive Blutungskontrolle (Shark Attack / Riffschnitte) Bei massiven Blutverlusten (z.B. durch eine abgerissene Finne oder einen Haiangriff) droht der Tod innerhalb von Minuten, wenn eine Arterie durchtrennt ist [4]. Ein sportlicher Erwachsener kann bis zu zwei Liter Blutverlust kompensieren, bevor der Körper versagt [4]. Bringe das Opfer sofort an Land. Positioniere es auf einem abfallenden Strand mit dem Kopf zum Wasser und lagere unverletzte Beine hoch, um den Blutfluss zum Gehirn zu maximieren [4]. Übe festen, direkten Druck auf die Wunde aus und nutze hemostatische Gaze, um die Gerinnung zu erzwingen [4, 6]. Stoppt die arterielle Blutung an einer Extremität nicht, lege ein Tourniquet an [12, 20]. Normale Riffschnitte müssen sofort auf dem Strand mit reichlich Wasser oder Kochsalzlösung gespült werden, um Korallenpartikel zu entfernen [7, 21]. Betäube die Stelle falls nötig (z.B. mit Lidocain-Creme), öffne die Haut vorsichtig mit einem sauberen Skalpell, um Fremdkörper restlos zu entfernen, trage antibiotische Salbe auf und lasse die Wunde idealerweise offen, damit sie abfließen kann [8, 21, 22].

## Häufige Fehler - Fehler 1: Das Opfer mit einer möglichen Wirbelsäulenverletzung in die stabile Seitenlage bringen. Dies ist extrem gefährlich; das Opfer muss flach auf dem Rücken liegen bleiben, während der Kopf manuell stabilisiert wird, bis professionelle Rettungskräfte eintreffen [19, 23]. - Fehler 2: Mehr als 10 Sekunden am Strand nach Lebenszeichen suchen. Im Zweifel muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) begonnen werden [17, 24]. - Fehler 3: Aggressive Antiseptika (wie Wasserstoffperoxid, hochprozentiger Alkohol oder reines Jod) direkt in tiefe Riffwunden schütten. Dies tötet zwar Bakterien, schädigt aber gleichzeitig das eigene Gewebe massiv und verzögert den Heilungsprozess. Eine Spülung mit Kochsalzlösung und antibiotische Salbe sind effektiver [8].

## Sicherheitshinweise Gehe niemals kopfüber (Head First) in die Brandung, da verborgene Riffe oder flache Sandbänke lauern können [25, 26]. Schütze bei einem Wipeout immer deinen Kopf mit den Armen [25]. Bringe dich als Retter niemals selbst in Lebensgefahr: "Reach or throw, don't go" – begib dich nur ins Wasser, um einem Ertrinkenden zu helfen, wenn du dafür ausgebildet bist und einen Auftriebskörper (Surfboard) bei dir hast [27, 28]. Mach dich mit dem internationalen Notsignal vertraut: Das Heben und Winken mit einem gestreckten Arm signalisiert, dass du oder andere sofortige Hilfe benötigen [10, 29, 30].

## Pro-Tipp Du kannst die Leash deines Surfboards im absoluten Notfall (z.B. bei einer arteriellen Blutung nach einem Haiangriff) als Tourniquet umfunktionieren. Binde die Leash oberhalb der Wunde locker zusammen und platziere einen festen Gegenstand (z.B. einen Stock, Finnen-Schlüssel oder Besteck) über dem Knoten. Drehe diesen Gegenstand dann wie eine Winde (Windlass), bis die arterielle Blutung vollständig stoppt [12]. Notiere unbedingt die genaue Uhrzeit der Anlage für die später eintreffenden Notärzte [12].

Schritt für Schritt

  1. Schritt 1: In-Water Resuscitation bei Ertrinkungsunfällen: Sicherung der Atemwege und Einleitung von initialen Beatmungen noch im Wasser zur Umkehr der Hypoxie.
  2. Schritt 2: Bergung und Wirbelsäulen-Stabilisierung: Schonender Transport des Opfers an den Strand unter manueller Fixierung der Halswirbelsäule mit der Arm-Schiene-Technik.
  3. Schritt 3: Wundversorgung und Blutungskontrolle: Einsatz von Tourniquets und hemostatischer Gaze bei massiven Verletzungen sowie tiefen Riffschnitten.

Key Takeaways

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