Die richtigen Griffarten

Eine Einführung in die essenziellen Griffarten wie den Continental-, Eastern- und Semi-Western-Griff. Lerne, wie du den Schläger für Vorhand, Rückhand und Aufschlag korrekt hältst, um frühzeitige Technikfehler zu vermeiden und Kontrolle aufzubauen.

Sportart: Tennis · Level: Anfänger

## Einleitung Die Architektur eines Tennisschlags beginnt exakt am Kontaktpunkt zwischen dem Athleten und dem Schläger [1]. Die richtige Griffhaltung ist ein absolut zentrales Element für jeden Tennisspieler, da sie direkten Einfluss auf die Richtung, die Geschwindigkeit, die Kraftübertragung und den Spin des Balles hat [2, 3]. Viele Anfänger machen den Fehler, den Schläger unkontrolliert oder für alle Schläge gleich zu halten, was frühzeitige Technikfehler provoziert und die Präzision massiv einschränkt [4, 5]. In der modernen Tennis-Pädagogik der DOMISPORTS Academy basiert die technische Konstanz auf einem detaillierten Verständnis der Griffmechanik und der kinematischen Kette [1]. Dieser Guide führt dich durch die essenziellen Griffarten, damit du von Beginn an mit der richtigen Technik Kontrolle und Sicherheit auf dem Platz aufbaust.

## Was du brauchst Einen Tennisschläger mit der individuell passenden Griffstärke (Größen L1 bis L5) [6, 7]. Ein Overgrip (Überband): Optional, um den Griff ergonomisch optimal an deine Handgröße anzupassen, Schweiß zu absorbieren und ein Verrutschen des Schlägers zu verhindern [6, 7].

Schritt für Schritt

### 1. Die Bevel-Methode (Das Oktagon) verstehen Im modernen Tennis ist der Schlägergriff nicht einfach nur ein Hebel, sondern ein Präzisionsinstrument, das als achteckiges Prisma ("Oktagon") konzipiert ist [1]. Diese acht Kanten (Bevels) dienen als absolute Referenzpunkte für die Positionierung des Zeigefinger-Grundgelenks und des Handballens [8]. Stell dir das Griffende wie ein Ziffernblatt vor: Wenn du den Schläger hochkant vor dich hältst, ist die flache Oberseite Bevel 1 (12 Uhr) [8, 9]. Für Rechtshänder geht es im Uhrzeigersinn weiter: Die obere rechte Schräge ist Bevel 2 (1:30 Uhr), die rechte flache Seite ist Bevel 3 (3 Uhr), und die untere rechte Schräge ist Bevel 4 (4:30 Uhr) [8, 9]. Durch das Verschieben der Hand auf diesen Kanten veränderst du den Schlägerwinkel im Treffpunkt dramatisch [10].

### 2. Der Continental-Griff (Bevel 2 / Hammergriff) Der Continental-Griff, der oft auch als "Hammergriff" bezeichnet wird, wird gegriffen, indem das Zeigefinger-Grundgelenk genau auf Bevel 2 platziert wird [8, 11, 12]. Du hältst den Schläger dabei buchstäblich so, als würdest du einen Nagel mit der harten Schlägerkante in die Wand schlagen wollen [13]. Obwohl er historisch für fast alle Schläge genutzt wurde, ist er heute ein hochspezialisierter Griff für den Aufschlag, Volleys am Netz, den Defensiv-Slice und Schmetterbälle (Overheads) [8, 14, 15]. Er bringt das Handgelenk in eine sehr starke und vielseitige Position, ist jedoch nicht optimal, um einer Vorhand von der Grundlinie viel Vorwärtsdrall (Topspin) mitzugeben [13, 14].

### 3. Der Eastern-Vorhand-Griff (Bevel 3) Um den Eastern-Griff zu finden, legst du das Grundgelenk deines Zeigefingers auf die dritte Kante (3 Uhr) [8, 15]. Dies ist ein eher traditioneller Griff, der sehr häufig von Legenden wie Roger Federer oder Pete Sampras verwendet wird [16]. Er bietet für Anfänger einen hervorragenden Kompromiss aus Kraft und Kontrolle und eignet sich besonders gut, um relativ flache, schnelle Bälle ("flatter balls") zu schlagen [16, 17]. Der Nachteil ist, dass er bei tiefen Bällen oder für extremen Topspin im modernen Grundlinienspiel Einschränkungen aufweist [18].

### 4. Der Semi-Western-Griff (Bevel 4) Wenn du die Hand weiter nach unten drehst, sodass das Zeigefingergelenk auf Bevel 4 (4:30 Uhr) ruht, befindest du dich im Semi-Western-Griff [8, 14]. Dies ist der absolute Standard im modernen Profi-Tennis und wird von Top-Spielern wie Novak Djokovic oder Andy Murray präferiert [16]. Bei diesem Griff befindet sich die Handfläche eher hinter und leicht unter dem Schlägergriff [14]. Dies ermöglicht es dir, bei der Vorhand aggressiv von unten nach oben durch den Ball zu wischen ("Scheibenwischer-Bewegung"), was ein optimales Verhältnis aus linearer Geschwindigkeit (Power) und Rotation (Topspin) erzeugt [14, 19, 20].

### 5. Die Rückhand-Griffe Für die einhändige Rückhand wird klassischerweise der "Eastern Backhand Grip" verwendet. Hierbei wandert das Zeigefinger-Grundgelenk komplett auf die obere Kante (Bevel 1 oder leicht versetzt auf Bevel 8) [8, 21]. Für die immer beliebter werdende beidhändige Rückhand bleibt die dominante (untere) Hand meist im Continental-Griff (Bevel 2), während die zweite (obere) Hand den Schläger im Semi-Western- oder Eastern-Vorhand-Griff fasst, was für enorme Stabilität und Durchschlagskraft sorgt [21-23].

## Häufige Fehler - Der "Death Grip" (Zu fester Griff): Viele Anfänger halten den Schläger permanent viel zu krampfhaft fest [24]. Ein zu starkes Drücken des Schlägers erzeugt sofort Muskelverspannungen im Unterarm, in der Schulter und im Handgelenk [25]. Dies blockiert den natürlichen Peitscheneffekt beim Schlag und verringert die Schlägerkopfgeschwindigkeit. - Ein Griff für alles: Ein klassischer Rookie-Fehler ist es, Vorhand, Rückhand und Aufschlag mit ein und demselben Griff (oft dem Hammergriff oder einem extremen Western-Griff) spielen zu wollen [5]. Jeder Schlag benötigt seinen spezifischen Winkel [25]. - Falscher Handgelenkseinsatz: Bei Topspin-Schlägen wird oft versucht, den Spin durch ein extremes Abknicken oder "Schnappen" des Handgelenks zu erzwingen, was zu Mishits führt [19]. Halte das Handgelenk entspannt und lass den Arm natürlich pronieren [19].

## Sicherheitshinweise Eine falsche Griffhaltung in Kombination mit einer unpassenden Griffgröße (zu dünn oder zu dick) oder extremem, permanenten Festhalten kann langfristig zu schweren Überlastungsschäden führen [6, 25]. Ein chronisch verspannter Unterarm ist die Hauptursache für den gefürchteten "Tennisarm" (Epicondylitis). Achte darauf, den Schläger locker zu halten und nur exakt im Moment des Balltreffpunkts (Impact) die Griffspannung für den Bruchteil einer Sekunde zu erhöhen [24, 26, 27]. Wenn dein Unterarm oder Handgelenk beim Spielen schnell ermüdet, solltest du sofort deine Griffstärke und Technik überprüfen [7].

## Pro-Tipp Weltklassespieler nutzen ihre freie (nicht-dominante) Hand am Schlägerhals intensiv, um den Schläger zu stabilisieren und blitzschnelle Griffwechsel vorzubereiten ("Stalking the ball") [28-30]. Gewöhne dir an, in deiner Bereitschaftsstellung (Split-Step) den Schlägerhals immer locker mit der zweiten Hand zu stützen [28]. So kannst du die dominante Hand am Griff während der Ausholbewegung im Bruchteil einer Sekunde völlig blind vom Continental- in den Semi-Western-Griff drehen [31].

Schritt für Schritt

  1. Die Bevel-Methode verstehen: Lerne die 8 Kanten des Schlägergriffs zur Orientierung kennen.
  2. Der Continental-Griff: Die Basis für Aufschlag, Volley und Slice (Bevel 2).
  3. Der Eastern-Griff: Ideal für flache, klassische Vorhände (Bevel 3).
  4. Der Semi-Western-Griff: Für die moderne Vorhand mit viel Topspin (Bevel 4).
  5. Der Rückhand-Griff: Anpassung für die ein- oder zweihändige Rückhand.

Key Takeaways

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