Anfahren und Segel dichtholen

Setze den vorderen Fuß hinter den Mastfuß und ziehe den Mast am Körper vorbei nach Luv. Hole das Segel mit der hinteren Hand (Segelhand) dicht, um Wind zu fangen und anzufahren.

Sportart: Windsurfen · Level: Anfänger

## Einleitung Willkommen zum sechsten Teil des DOMISPORTS Deep-Dive Curriculums. Nachdem du die sichere Grundstellung perfektioniert hast, folgt nun der magische Moment: der Übergang von der statischen Ruheposition in die dynamische Gleitfahrt. Das Anfahren beim Windsurfen ist ein präziser biomechanischer Ablauf, bei dem du das Rigg als aerodynamischen Motor aktivierst. Sobald das Segel aus dem Wasser gezogen ist, neigt das Board dazu, leicht mit dem Wind nach Lee zu driften [1]. Um aus dieser Drift einen gerichteten Vortrieb zu generieren, musst du das Segel systematisch mit Wind füllen. Dieser Guide der DOMISPORTS Academy erklärt dir die exakte Koordination von Fußstellung, Körperverlagerung und Handarbeit. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hierbei im sensiblen Umgang mit der sogenannten "Segelhand", die das Tuch kontrolliert schließt und öffnet. Wer diese Technik versteht, verhindert unkontrollierte Stürze und transformiert den Winddruck in pure Vorwärtsenergie.

## Was du brauchst Für das Üben des sicheren Anfahrens benötigst du ideale Rahmenbedingungen und dein vorbereitetes Material: - Dein Einsteiger-Board mit ausgeklapptem Schwert, das dir als stabile Plattform dient. - Dein aufgeriggtes Segel (ideal sind 3 bis 5 Quadratmeter), das du bereits in die neutrale Grundstellung aufgeholt hast. - Einen konstanten, moderaten Wind (etwa 2 bis 3 Beaufort), um ein optimales Feedback im Segel zu spüren, ohne überfordert zu werden. - Ausreichend freien Wasserraum vor dir (in Fahrtrichtung), um Kollisionen zu vermeiden [2].

Schritt für Schritt

### 1. Die Fußstellung optimieren und den Mast nach Luv ziehen Aus der neutralen Grundstellung heraus bereitest du zunächst dein Fundament vor. Setze den vorderen Fuß nah hinter den Mastfuß auf die Längsachse des Brettes [3, 4]. Dein hinterer Fuß positioniert sich hüftbreit entfernt, etwa auf Höhe des Schwertkastens [4]. Nun ziehst du den Mast mit der vorderen Hand am Körper vorbei nach Luv (in den Wind) [1]. Diese elementare Bewegung stellt sicher, dass das Segel im perfekten Anströmwinkel zum Wind steht und du beim folgenden Greifen nicht sofort das Gleichgewicht verlierst.

### 2. Der Griff an den Gabelbaum Löse nun die hintere Hand vom Mast und greife den Gabelbaum [1]. Diese Hand wird ab sofort als deine "Segelhand" bezeichnet [1]. Die vordere Hand – deine "Masthand" – folgt und greift den Gabelbaum etwa eine Handbreite vom Mast entfernt [5]. Beide Hände sollten sich nun in etwa schulterbreit auf dem Holm befinden [5]. In diesem Moment steht das Segel noch weit geöffnet (neutral) im Wind, und das Board driftet nur minimal ab [1].

### 3. Dichtholen: Das Gaspedal betätigen Um nun Vortrieb zu erzeugen, musst du das Segel mit dem Wind füllen. Ziehe dazu die Segelhand (hintere Hand) langsam etwas weiter zu deinem Körper heran [1]. Diese Segelhand funktioniert exakt wie ein Gaspedal: Je dichter du die Gabel heranziehst, desto mehr füllt sich das Segeltuch und desto stärker entwickelt sich der Druck im Segel [6]. Das Board beginnt durch diesen Druck sofort mit der Fahrt [6]. Eine feinfühlige Dosierung ist hier zwingend erforderlich, um nicht von der abrupten Kraft überrascht zu werden [6].

### 4. Die stabile Fahrstellung einnehmen Sobald das Board anfährt, nimmst du die endgültige Fahrstellung ein. Das Körpergewicht wird dabei aktiv auf das hintere Bein verlagert [3]. Halte deinen Rücken absolut gerade und lehne dich mit gestrecktem Körper gegen den zunehmenden Zug in deinen Armen nach hinten – vergleichbar mit der Körperhaltung beim Tauziehen [7]. Beide Hände umschließen den Gabelbaum fest, während die Muskelspannung im Körper den Winddruck als Hebel auf das Board überträgt [3, 5, 7].

## Häufige Fehler - Fehler 1: Zu abruptes Dichtholen. Wer die Segelhand ruckartig und mit voller Kraft zu sich zieht, riskiert einen sofortigen Schleudersturz nach vorne, da der Körper die plötzlich einsetzende Windenergie nicht ausbalancieren kann. Das "Gaspedal" muss behutsam betätigt werden [6]. - Fehler 2: Falsche Körperhaltung (gebeugte Arme). Viele Anfänger versuchen, das Rigg mit reiner Armkraft an sich heranzuziehen. Dies führt zu verkrampften Armen und einer gebückten Haltung. Die Arme sollten als Verlängerung des Riggs fungieren und der Gegendruck primär aus dem Zurücklehnen des eigenen Körpergewichts stammen [7]. - Fehler 3: Das Gewicht auf den vorderen Fuß verlagern. Wird das Gewicht beim Anfahren zu weit nach vorne auf den Bug gebracht, taucht die Nase des Brettes ins Wasser ein (einspitzeln), was die Fahrt sofort abbremst und unruhig macht.

## Sicherheitshinweise Gerätst du beim Anfahren aus dem Gleichgewicht und merkst, dass ein Sturz unvermeidbar ist, gilt eine eiserne Regel: Halte den Gabelbaum beim Fallen immer mit langen Armen fest [8]. Dies schützt deinen Kopf und dein Gesicht vor dem harten Mast [8]. Federe den Aufprall auf dem Wasser mit leicht gebeugten, aber angespannten Armen ab und schwimme anschließend seitlich vom Rigg weg [8]. Solltest du unkontrolliert auf ein Hindernis oder den Uferbereich zusteuern, kannst du das Board rasch stoppen (Notstopp), indem du das Rigg einfach komplett loslässt und ins Wasser fallen lässt [2].

## Pro-Tipp Die Tür-Analogie für sofortige Kontrolle: Mache dir das sogenannte "Auffieren" zur automotorischen Gewohnheit [8]. Wird der Winddruck in einer plötzlich einfallenden Böe zu stark und das Rigg beginnt, dich aggressiv nach vorne zu ziehen, reagiere blitzschnell: Öffne einfach die Segelhand (hintere Hand), als würdest du eine Tür aufstoßen [8]. Der Wind kann dadurch augenblicklich aus dem Segel entweichen, der Druck fällt sofort ab, und du verhinderst einen Sturz [6, 8]. Du kannst die Geschwindigkeit so jederzeit perfekt drosseln [6].

Schritt für Schritt

  1. Schritt 1: Fuß- und Riggpositionierung: Setze den vorderen Fuß hinter den Mastfuß und ziehe den Mast nach Luv.
  2. Schritt 2: Umgreifen an den Gabelbaum: Greife mit der vorderen Hand (Masthand) und der hinteren Hand (Segelhand) an den Gabelbaum.
  3. Schritt 3: Das Gaspedal betätigen: Ziehe die Segelhand langsam zum Körper, um Wind einzufangen und den Vortrieb zu starten.
  4. Schritt 4: Fahrstellung einnehmen: Lehne dich mit geradem Körper gegen den Segelzug und verlagere das Gewicht nach hinten.

Key Takeaways

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