Greife den Mast über dem Gabelbaum und ziehe ihn schwungvoll nach Luv, um das Schothorn zu befreien [1]. Halte die Arme lang gestreckt, bis du auf dem Board stehst [2].
## Einleitung Willkommen im Pro-Level der DOMISPORTS Academy! Der Wasserstart ist nicht nur eines der elegantesten, sondern auch eines der wichtigsten und kraftsparendsten Schlüsselmanöver im Windsurfen [3, 4]. Wer permanent versucht, auf kleinen, sinkenden Shortboards das Segel an der Aufholleine hochzuziehen, vergeudet wertvolle Energie. Der Wasserstart nutzt stattdessen die rein aerodynamische Zugkraft des Windes, um dich förmlich auf das Brett zu heben [3]. Dabei gilt eine fundamentale physikalische Regel: Je leichter der Wind, desto perfekter muss deine Technik sitzen, da du den fehlenden Winddruck durch extrem aktives Aufsteigen kompensieren musst [3, 5]. In diesem detaillierten Experten-Guide analysieren wir die präzisen biomechanischen Abläufe – vom Ausrichten des Materials im tiefen Wasser über das richtige Befreien des Schothorns bis hin zum finalen Aufstieg. Wer diese Technik meistert, verbannt das mühsame Segelaufholen für immer in die Vergangenheit [6].
## Was du brauchst Für einen erfolgreichen Wasserstart aus dem tiefen Wasser benötigst du: - Ein auf deine Gewichtsklasse abgestimmtes Board (egal ob voluminöses Freeride- oder kleines Wave-Board). - Ein optimal getrimmtes Rigg (idealerweise für den Anfang ein leichtes Segel ohne Camber) [6]. - Ein Gewässer mit konstantem Wind (2 bis 4 Beaufort sind zum Üben ideal) [6]. - Genügend Wassertiefe (mindestens hüfttief, besser brusttief, um das Aufsetzen der Finne zu vermeiden) [6].
### 1. Orientierung und Ausrichtung im Wasser Egal nach welch einem wilden Sturz du im Wasser landest, das absolute Primärziel ist es, Ruhe zu bewahren und zum Mast zu schwimmen [7]. Drehe den Mast im Wasser so, dass er quer zur Windrichtung (nach Luv) zeigt [1]. Schwimme dann ein kleines Stück in Richtung des Segeltopps und hebe dieses leicht an [1]. Der Wind kann nun unter das Segeltuch greifen und das Rigg schwebt fast schwerelos von allein über der Wasseroberfläche [1]. Jetzt kannst du dich bequem am Mast entlang zurück zum Gabelbaum arbeiten [1].
### 2. Das Schothorn befreien (Der Pro-Move) Dies ist der kritische Moment: Liegt das Segel flach auf dem Wasser, saugt sich das hintere Ende des Gabelbaums (das Schothorn) fest. Um das Segel komplett frei zu bekommen, greifst du mit der vorderen Hand (Masthand) an den Mast, und zwar deutlich über dem Gabelbaum [1]. Ziehe den Mast nun extrem schwungvoll und aktiv nach Luv (in den Wind) und leicht über deinen Kopf nach vorne [1]. Durch diesen dynamischen Hebel bricht das Schothorn sofort aus dem Wasser aus, und das Segel steht abflugbereit im Wind [1].
### 3. Boardkontrolle und Fußplatzierung Sobald das Rigg fliegt, greift deine vordere Hand an den Gabelbaum und du suchst mit dem hinteren Fuß das Board. Board und Segel müssen nun in der Ausgangsposition im rechten Winkel zum Wind positioniert werden (Halbwindkurs) [3]. Setze den hinteren Fuß zwischen die vorderen und hinteren Fußschlaufen. Wichtig: Stelle den Fuß nicht flach auf die Hacke, sondern belaste gezielt die Innenseite [7]. Diese Vorlage des gesamten Körpers hilft dir immens, das Brett auf Kurs zu halten [7]. Zieht das Segel zu stark, kannst du dies ausgleichen, indem du deinen Körper stärker ins Wasser verlagerst oder die hintere Hand (das Schothorn) etwas öffnest [8].
### 4. Der Lift (Arme lang!) Jetzt erfolgt der eigentliche Wasserstart. Lass die Arme absolut lang und gestreckt [2]. Ziehe den hinteren Fuß stark an, wodurch du dir das Board quasi unter deinen Körper ziehst [2, 9]. Der Wind füllt das Segel und zieht dich langsam aus dem Wasser. Bleibe kompakt und geduldig. Der zweite (vordere) Fuß wird erst ganz zum Schluss auf das Deck gesetzt, wenn sich dein Oberkörper bereits fast in der Senkrechten befindet [9].
## Häufige Fehler - Fehler 1: Mast nur senkrecht nach oben drücken. Wer beim Befreien des Segels den Mast einfach nur stur nach oben drückt, lässt das Gabelbaumende im Wasser hängen [1]. Der fatale Effekt: Das Brett dreht sich sofort unkontrolliert in den Wind [1]. Du musst den Mast immer über den Kopf nach vorne ziehen! - Fehler 2: Angezogene Arme (Der Klimmzug-Effekt). Ein klassischer Anfängerfehler! Du spürst den Lift und versuchst, dich mit reiner Bizepskraft am Gabelbaum hochzuziehen [2]. Dadurch ziehst du das Segel zu dir heran, der Wind entweicht, das Segel fällt auf dich zurück und du landest wieder im Wasser [2]. Zwinge dich dazu, die Arme bis zum Schluss durchgestreckt zu lassen [2]. - Fehler 3: Körpergewicht nicht über den Mastfuß gebracht. Wenn du bei leichtem Wind startest und dein Gewicht zu weit nach hinten verlagerst, säuft das Heck ab. Du musst das Segel früh aufrecht stellen und das Körpergewicht extrem schnell und weit nach vorne bringen [5, 8].
## Sicherheitshinweise Ein Wasserstart findet im tiefen Wasser statt, wo du Strömungen und Wellen ausgesetzt bist. Erschöpfung ist hier dein größter Feind. Misslingt der Start mehrfach, wechsle auf den Schotstart zurück, falls das Volumen deines Brettes dies zulässt, um Kraft zu sparen. Achte beim Befreien des Riggs darauf, dass dir der Mast nicht durch eine plötzliche Windböe an den Kopf schlägt. Schwimme immer luvseitig (windzugewandt) deines Materials, damit dir das Board nicht durch eine Welle ins Gesicht gedrückt wird.
## Pro-Tipp Steuerung vor dem Lift: Viele Surfer fallen beim Üben unter das Segel, weil das Brett ungewollt anluvt (in den Wind dreht) [2]. Um dieses Problem im Wasser schwebend zu korrigieren, gibt es einen brillanten Trick: Setze deinen hinteren Fuß seitlich (fast auf die Kante) auf das Board, blicke vorne um den Mast herum tief nach Luv und drücke das Board mit dem Fuß vom Wind weg [2]. Durch diese gezielte Abfall-Bewegung bringst du das Board wieder auf den perfekten Halbwindkurs, bevor du dich hochziehen lässt [2].