Welche Ausrüstung brauchst du fürs Speedklettern? Steife Schuhe, Auto-Belay statt Sicherungsgerät und was du dir sparen kannst.
Die kurze Antwort: Für den Einstieg brauchst du überraschend wenig – steife Kletterschuhe und eng anliegende Kleidung, den Rest übernimmt die Halle. Speedklettern ist eine der materialärmsten Kletterdisziplinen überhaupt.
Der wichtigste Unterschied zu Bouldern und Sportklettern: Du bedienst nie selbst ein Sicherungsgerät. An jeder Speed-Wand hängt ein automatisches Auto-Belay-System (auch GAB, Guided Auto Belay, genannt), das dich beim Fallen oder am Ziel selbstständig bremst und ablässt. Wettkampf-taugliche Systeme nehmen die kompletten 15 Meter Seil in nur 3,2 bis 3,5 Sekunden auf [1] – also fast genauso schnell, wie du fällst. Du musst also nichts sichern, nichts einhängen, nur klettern.
Der zweite große Unterschied steckt an deinen Füßen. Speedklettern nutzt steife Schuhe mit dicker Sohle (3,5 bis 4,5 mm Gummi, etwa so dick wie zwei aufeinandergestapelte 2-Euro-Münzen) statt der superweichen Boulderschuhe [2]. Der Grund: Auf der Standardroute stehst du fast nur auf kleinen, positiven Tritten – Edging (auf der Kante stehen) statt Smearing (mit der Sohle Reibung suchen). Ein steifer Schuh gibt dir dabei eine feste Plattform, auf die du dein volles Gewicht explosiv laden kannst, ohne dass der Fuß nachgibt.
Ein Motor im Gerät zieht laufend leichte Spannung ins Seil, sodass beim Klettern kein Durchhang entsteht. Fällst du oder springst du am Ziel ab, bremst das Gerät automatisch und lässt dich sanft zu Boden – ganz ohne Partner [1]. Ein Laser-Sensor an der Zielfläche misst gleichzeitig deine Zeit auf die Hundertstelsekunde genau.
Für Speed zählt Steifigkeit vor Sensibilität. Ein Schuh mit dünner, weicher Sohle (unter 3,5 mm) fühlt sich beim Bouldern toll an, ermüdet deine Fußmuskulatur aber schneller und gibt auf kleinen Kanten nach [2]. Ein steifer Schuh braucht etwas Eingewöhnung, hält dafür aber über den ganzen Lauf stabil.
Jedes Gramm am Körper kostet Zehntelsekunden über 15 Meter. Verzichte auf Extras wie schweren Chalk-Bag-Gurt oder lose Kleidung. Viele Athleten klettern sogar mit minimalem Chalk auf den Fingern statt mit vollem Bag.
Bevor du überhaupt ans Tempo denkst, lern die Route in normalem Tempo mit deiner neuen Schuhwahl kennen. Ein ungewohnter Schuh verändert dein Gefühl für jeden Tritt – das muss erst automatisch werden, bevor Geschwindigkeit dazukommt.
Auto-Belay-Systeme sind zuverlässig, aber kein Freifahrtschein für Nachlässigkeit. Prüf vor jedem Lauf, dass der Karabiner am Gurt korrekt eingehängt und verriegelt ist – das ist deine einzige Sicherung. Wettkampftaugliche Geräte sind auf die hohen Geschwindigkeiten im Speedklettern ausgelegt [1], Freizeitgeräte in normalen Boulderhallen dagegen nicht immer – kletter deshalb nur an offiziell für Speed freigegebenen Wänden mit Tempo.
Kauf deinen ersten Speed-Schuh eine halbe Nummer enger, als du es vom Bouldern gewohnt bist. Die steife Sohle braucht engeren Sitz, um die Kraft direkt auf die Kante zu übertragen – ein zu lockerer Schuh frisst dir wertvolle Millisekunden bei jedem Antritt.
Meist nicht – Hallen mit Speed-Wand stellen Gurt und Auto-Belay-Anschluss. Für regelmäßiges Training lohnt sich ein eigener, leichter Gurt trotzdem, weil du dann immer denselben Sitz hast und nichts wackelt.
Weil die Standardroute fast nur kleine, positive Tritte hat, auf denen du stehst statt reibst [2]. Ein steifer Schuh gibt dabei eine feste Plattform, auf die du explosiv Gewicht laden kannst, ohne dass die Sohle nachgibt – wichtiger als die Sensibilität, die Boulderschuhe bieten.
Ein automatisches Auto-Belay-Gerät zieht laufend Spannung ins Seil und bremst dich beim Fallen oder am Ziel selbstständig ab – wettkampftaugliche Geräte holen die vollen 15 Meter Seil in 3,2 bis 3,5 Sekunden ein [1]. Du musst also nie selbst sichern.
Für die ersten Versuche ja, um überhaupt reinzuschnuppern. Sobald du regelmäßig trainierst, lohnt sich aber ein steifer Speed-Schuh, weil er dir auf den kleinen Tritten der Standardroute deutlich mehr Stabilität gibt.